ABC der Kinderkrankheiten
In den letzten Wochen habe ich vermehrt Kinder mit klassischen Kinderkrankheiten in meiner Praxis gesehen. Deshalb möchte ich sie Euch hier in den kommenden Wochen vorstellen.

Die Ringelröteln
Ringelröteln gehören zu den klassischen Kinderkrankheiten. Sie werden durch das Parvovirus B19 ausgelöst, ein relativ kleines Virus, welches erst in dem 70er Jahren entdeckt wurde.
Das Virus wird durch Tröpfchen übertragen und befällt das Knochenmark. Dort infiziert es die Jungformen der roten Blutkörperchen, die dadurch zerstört werden. Dieses Krankheitsstadium bemerken wir oft gar nicht. Nach 2-3 Wochen beginnt das Immunsystem vermehrt Antikörper gegen das Virus zu bilden, was zu typischen Hauterscheinungen führt.
Die Kinder bekommen einen Ausschlag mit kleinen bis mittelgroßen rötlichen Flecken vor allem an Armen und Beinen und auch am Körper. Die Flecken können zusammenfließen und in der Mitte abblassen, wodurch ein girlandenartiges Muster entsteht. Typisch – aber nicht immer zu sehen – sind hochrote Wangen und ein weißes Munddreieck. Im englischen Sprachraum werden die Ringelröteln deshalb auch treffend als „Ohrfeigenkrankheit“ bezeichnet. die Lymphknoten am Hals können vergrößert sein. Manchmal findet man Lymphknoten am Hinterkopf. Mitunter klagen Kinder über plötzliche Schmerzen an Hand- und Fußgelenken, die teils auch angeschwollen sein können. Fieber ist meist nur mäßig vorhanden. Hohes Fieber ist eher selten. Insgesamt sind die Kinder nicht schwer beeinträchtigt und erholen sich rasch.
Da das Virus die roten Blutkörperchen befällt, kommt es häufiger zu einer vorübergehenden Blutarmut (Anämie), die meistens keine besondere Behandlung braucht. Erkrankt allerdings eine schwangere Frau an Ringelröteln, dann besteht für das ungeborene Kind die Gefahr, dass es zu einer schweren Blutarmut beim ungeborenen Kind kommt. Teilweise müssen dann schon während der Schwangerschaft Blutübertragungen über die Nabelschnur erfolgen.
Wer als Kind keine Ringelröteln durchgemacht hat, kann auch als Erwachsener noch daran erkranken. Eine Impfung gegen Ringelröteln gibt es derzeit nicht.
Ringelröteln haben übrigens nichts mit Röteln zu tun, die ich demnächst auch hier vorstellen werde.